Brieftauben für die Weitstrecke

Die Auswahl des Zuchtstamms stellt eine große Herausforderung dar. Mir kommt es darauf an, nicht nur gute Tauben zu erwerben sondern auch Tauben, die gut zueinander passen. 

Allerdings liegt mir wenig daran, eine bestimmte „Rasse“ zu züchten. Zwei Komponenten sollten zusammen kommen: die Tauben sollten gleichen Ursprungs sein und von Züchtern stammen, die noch heute damit hervorragend reisen.

Aufgrund der Auswahl meines Zuchtstamms wird deutlich was mein Ziehl ist. Alle Ausgangstauben stammen aus Familien, die ihre Qualitäten auf dem Weitstreckenflug in mehreren Generationen vielfach unter Beweis gestellt haben. Aus diesen Tauben versuche ich, einen Weitstreckenstamm zu formen und das wird viele Jahre in Anspruch nehmen

Da ich mich im Schlagaufbau befinde und nur über wenige Tauben verfüge, muss ich vorsichtig zu Werke gehen. Tauben, die gute Ansätze zeigen und in denen ich Zuchtwert sehe, werden frühzeitig in den Zuchtschlag übernommen. Auf diese Weise erhoffe ich mir einen schnelleren Schlagaufbau und eine Erhöhung der Zuchtquote sehr guter Tauben.

Bei Zuchttauben sind mir folgende Voraussetzungen wichtig: 

·       Eine gute Abstammung

·       Glänzendes, eng anliegendes Gefieder

·       Sehr kräftiges Knochengerüst

·       Sehr gute und elastische Muskulatur

·       Möglichst kleine Pupille in einem farbreichen, glänzenden Auge 

 

Beim Thema Kreuzung und Inzucht kommt man zu unterschiedlichen Meinungen. Häufig wird so getan, als handele es sich um ein entweder - oder. Das ist selbstverständlich nicht der Fall. Kein erfolgreicher Züchter betreibt nur Inzucht oder nur Kreuzung. Die Kunst besteht ja gerade darin, durch Kreuzung erworbene positive Eigenschaften durch Inzucht zu festigen. Wer nur kreuzt, spaltet das vorhandene gute Erbgut immer weiter auf und sorgt dafür, dass die genetische Vielfalt exponentiell ansteigt. Keine gute Voraussetzung für gleichmäßige Zuchtergebnisse. Wer nur Inzucht betreibt, erhält bestenfalls den Status Quo. Besseres kann daraus nicht entstehen. Es kommt also auf die Mischung an. Als kleiner Züchter muss es mir darauf ankommen, einen möglichst hohen Prozentsatz sehr guter Tauben zu züchten.

Im Bereich Zucht gehe ich noch sehr vorsichtig zu Werke. Jährige Tauben müssen einen 800-900 km Flug absolvieren, zwei- und mehrjährige Tauben werden grundsätzlich pro Jahr nur einmal auf einen Flug von 1.000 km eingesetzt. Bleiben darf, wer einen Preis fliegt oder am Tage des Konkursschlusses in guter Verfassung nach Hause kommt und sich sehr schnell erholt. Abgerechnet wird nach 3 Jahren. 2/3 Preisausbeute müssen dann auf dem Konto stehen. Für einen gute Weitstrecke muss eine Taube bei mir mindestens 3 besser 4 Jahre alt sein.

 

Jungtauben werden im Geburtsjahr lediglich privat antrainiert. Nach 3 bis 4 Flügen zwischen 10 und 40 km erfolgen 2 bis 3 Einzelauflässe ab 100 km. Wer dieses Programm übersteht, keine körperlichen Mängel aufweist und einen vitalen Eindruck hinterlässt, darf überwintern.

 

Sämtliche Tauben werden ausschließlich nach der Nest-Methode gespielt. Angepaart wird etwa Anfang März. Anschließend erhalten die Reisetauben morgens und abends ein bis zwei Stunde Freiflug. Junge werden nur in Einzelfällen, aus den hoffnungsvollsten Fliegern, großgezogen. Vor einem Einsatz zu einem internationalen Flug sollen die Tauben wenigsten 1.800 Trainingskilometer in den Flügeln haben. Als optimalen Neststand haben sich für Vögel und Weibchen 4-5 Tage alte Jungen oder 10 bis 12 Tage Eier am Einsatztag herausgestellt.

 

Gefüttert werden energiereiche Futtermischungen. 5 Tage vor dem Einsetzen werden noch geschälte Sonnenblumenkerne und Mais zugesetzt. Vitamine, Elektrolyte und sonstige Spielereien kommen grundsätzlich nicht zum Einsatz. Wem selbst beste Futtermischungen nicht ausreichen, hat auf meinem Schlag kein Bleiberecht.